La Traviata
Geschichte
Mit einem frenetischen Trinklied erringt der junge Alfredo Germont in Paris die Aufmerksamkeit der schönen und begehrten Kurtisane Violetta Valéry. Die Liebe Alfredos verdeutlicht Violetta, wie sinnentleert ihr ausschweifendes Leben bislang gewesen ist. Um ihr gemeinsames Liebesidyll auf dem Land zu finanzieren, will Alfredo in Paris Geld besorgen. Die zurückbleibende Violetta wird von Alfredos Vater bedrängt, den Geliebten zu verlassen, um dessen Zukunft in der Gesellschaft nicht zu gefährden. Bereit, für Alfredos Wohl auf ihre Liebe zu verzichten, verlässt sie ihn und kehrt in ihr früheres Leben zurück. Besinnungslos vor Eifersucht stellt Alfredo auf einem Fest Violetta vor aller Augen als Hure bloß. Verarmt und einsam fügt sich die schwerkranke Violetta in ihren Tod. Alfredos Einsicht und letzte Beschwörung ihrer großen Liebe kommen zu spät.
Geheimnis 4
Das Stationen-Drama vom Glanz und Elend der „Kameliendame“, dem Roman Alexandre Dumas' nach einer wahren Begebenheit, ist die einzige Oper Verdis, die in dessen Hier und Heute spielt. Er erhebt die Geschichte, die bis heute nicht allein Julia Roberts in „Pretty Woman“ zu Tränen rührt, von einer unerbittlichen Gesellschaftsstudie zu einem unsterblichen Mythos. Die gefeierte Göttin der Gesellschaft sinkt ins Bodenlose. Der Fluchtversuch in die bürgerliche Idylle misslingt. Am Ende ist sie im Zeichen fadenscheiniger Moral zur selbstlosen Aufgabe ihrer Liebe gezwungen. Öffentlich gedemütigt, vermag sie sich allerdings bei Verdi als Stimme über den Fluch der öffentlichen Moral zu erheben, um am Ende die Schuld der anderen zu wandeln. Das Geheimnis liegt einmal mehr in dem Vermögen der Oper, unleugbare Wirklichkeit in eine glaubhafte Vision zu verwandeln, sogar über den Tod hinaus.
Alle Termine:
  • 17. Dez. 2011, 19.30 Uhr

Verdis Geniestreich „La Traviata“

19.12.2011
Ruhr-Nachrichten
Heinz-Albert Heindrichs

Nach fünfzehn Jahren steht Giuseppe Verdis „La Traviata“ endlich wieder auf dem Spielplan des Musiktheaters im Revier. Intendant Michael Schulz hat es sich nicht nehmen lassen, diese emotionalste aller Opern selbst zu inszenieren; und er tut dies, als sei die Geschichte, die Alexandre Dumas Roman „Die Kameliendame“ entlehnt ist, eine von heute. Schulzens Regiekonzept macht unmittelbar klar, dass Verdi hier ein zeitloser Wurf gelungen ist. Gespielt wird in heutiger Kleidung (Kostüme: Martina Feldmann) und in einem Bühnenraum (Dirk Becker), der vor allem darauf aus ist, alles Ablenkende wegzublenden und allein der Musik – den Sängern wie dem unter Rasmus Baumann grandios spielenden Orchester – zu dienen. Und wie musikalisch und Verdi verstehend Michael Schulz das Ensemble führt, ist vorbildlich und verdient hohes Lob: wie Verdis geniale Operndramaturgie sich vollends und so schlackenlos entfaltet, das ist beglückend zu erleben. Da ist es auf einmal gleichgültig, wo und in welcher Zeit wir sind; was einzig zählt, sind die Emotionen, welche diese Musik in den Akteuren wie in den Zuhörern weckt und auslöst; darauf konzentriert sich die Gelsenkirchener Aufführung – und das Fluidum, das zwischen Szene, Musik und Publikum entsteht, vermag sich mehr und mehr zu steigern. Den Mittelpunkt des Geschehens bilden die Kurtisane Violetta, die an Schwind-sucht leidet und am Ende stirbt – der junge Alfredo, der sie bis zur Selbstaufgabe liebt – sowie dessen Vater Giorgio, der die beiden aus ihrem Unglück zu befreien sucht. Für die Partien der Violetta und des Giorgio wurden Gäste gewonnen, die als geradezu ideale Besetzungen gelten dürfen: die russische Sopranistin Alexandra Lubchansky und der Bariton Günter Papendell; zwischen dieser wirklichen Ausnahmebesetzung kann sich der rumänische Tenor Daniel Magdal, als neues Ensemblemitglied des Musiktheaters, auf Anhieb behaupten. Um die drei ein großes Team an Solisten und Chorsängern, allesamt konzentriert auf Verdi. Am Ende war der Jubel einhellig: für das große Ensemble, für den Chor, das Orchester, den Dirgenten und das Regieteam. Ehe der Vorhang fällt, gelingt Michael Schulz indes ein überraschender, geheimnisvoller, ganz neuer Schluss, den ich nicht verraten und zerreden möchte.

Die Hoffnung stirbt

20.12.2011
Opernnetz.de
Horst Dichanz

Nach der melancholisch-wehmütigen Ouvertüre hebt sich der Vorhang und gibt schwarze Schatten frei, Figuren, die am Bühnenrand stehen und dann langsam ins Licht zurückweichen – der Chor. Das Bild überrascht und beeindruckt. Der Chor dreht einen bühnenfüllenden sandsteinfarbigen Quader, und Violetta begrüßt in ihrem rot ausgestatteten Salon das lebenslustige Paris um 1840. Sie trägt ein bodenlanges goldglitzerndes Kleid, Indiz ihres ausschweifenden Lebens. Bereits im ersten Akt begegnen dem Zuhörer einige der berühmtesten und populärsten musikalischen Nummern der Oper, denen vor allem Alexandra Lubchansky als Violetta mit ausgewogenem, klaren Sopran Klang verleiht. Der melancholische Grundton der Musik ist schon hier allerdings unüberhörbar, er wird sich noch steigern. Violetta ist von ihrer Krankheit gezeichnet. In Daniel Magdal als Alfredo hat Violetta einen ebenbürtigen Partner, der mit sicherem Tenor seinen wechselnden Stimmungen Ausdruck verleiht. Vor allem im 3. Akt gewinnt seine Stimme in der Höhe an Glanz. Alexandra Lubchansky und Daniel Magdal tragen somit durch ihre Leistungen einen wesentlichen Teil der Aufführung. Ein Publikumsliebling ist zweifellos auch Günter Papendell in der Rolle des Giorgio Germont, der dem Vater wuchtiges Gewicht verleiht und die Partie auch stimmlich mit seinem Bariton ganz ausfüllt. Ihn kennen die Gelsenkirchener noch von seinem früheren dreijährigen Engagement am Musiktheater im Revier (MiR). Mit Almuth Herbst als Annina, E. Mark Murphy als Gastone sowie Nikolai Miassojedov als Barone Douphol und Dong-Won Seo als Dottore Grenvil ergänzen die kleinen Partien das Ensemble mit sicher geführten Stimmen. (...) Rasmus Baumann führt die Neue Philharmonie Westfalen und die Chöre mit sicherer Hand und lässt Verdis Partitur klangvoll glänzen. Dieser Traviata ist nicht anzumerken, dass sie eine der am meisten gespielten Werke Verdis ist, sie wirkt frisch und originell. Das Publikum bedankt sich für eine gelungene, lebendige Inszenierung und eine hervorragende musikalische Umsetzung mit rauschendem, lang anhaltendem Beifall.

Verloren im Geldregen

19.12.2011
Westfälischer Anzeiger
Anke Demirsoy

Wie vor einer Aussätzigen wechselten die Menschen die Straßenseite, wenn Giuseppina Strepponi durch das norditalienische Städtchen Busseto ging. Niemand sprach mit ihr, aber alle über sie: Über die Sängerin mit diversen Affären und drei unehelichen Kindern, die an Schwindsucht litt und ohne Trauschein mit dem Komponisten Giuseppe Verdi zusammen lebte. Vielleicht war sie „die wahre Traviata“, wie Gaia Servadio in seiner gleichnamigen Biographie behauptet. Die unbarmherzige Härte der bürgerlichen Gesellschaft bekam die Strepponi jedenfalls zu spüren. Um diese Grausamkeit geht es Gelsenkirchens Opernintendant Michael Schulz, der die Titelheldin aus Verdis „La Traviata“ in seiner jüngsten Inszenierung gleichsam von Schuld freispricht. Fragwürdig erscheint ihm weniger die Kurtisane als eine amüsierwütige Gesellschaft, die unempfindlich für fremdes Leid ist und erschreckend rasch im Verachten. Die Personen zeichnen sich vor allem durch ihr Nicht-Handeln aus: Sie werden zu Zaungästen, zu Gaffern, zur bloßen Staffage. Die karge Ausstattung betont das realistische Element der musikalischen Erzählung (Bühne: Dirk Becker). Ein drehbarer, aufgeschnittener Kasten ist der schillernden Hauptfigur Bühne und Gefängnis zugleich. Das zweite Bild zeigt kein trautes Heim, sondern einen öden Hof. Nicht einmal ein Bett hat Violetta im letzten Akt, um aus dem Leben zu scheiden. Wie ein Geist steht sie am Orchestergraben, lauscht einsam und verloren den ätherischen Klängen, die sich von dort ins Nichts verströmen. Es sind herrliche Pianissimo-Wunder, die sich unter der Leitung von Dirigent Rasmus Baumann ereignen. Die Neue Philharmonie Westfalen, die ihre Tugenden bereits im Britten-Zyklus eindrucksvoll unter Beweis stellte, erreicht in dieser „Traviata“-Produktion einen neuen Gipfel. Die Musiker lassen die Festszenen quirlig und spannungsvoll moussieren, erfüllen Violettas verzweifeltes „Amami Alfredo“ mit heißer Glut und begleiten ihr Sterben mit einer gläsernen Transparenz, die beinahe unstofflich klingt. Eine fabelhafte Leistung, belohnt mit frenetischem Beifall. In der Hauptrolle zeichnet Alexandra Lubchansky, die in Darmstadt jüngst unverschuldet ins Zentrum eines Opernstreits geriet, Glanz und Elend der Kurtisane facettenreich nach. Ihr beweglicher Sopran kann kalt auftrumpfen und glutvoll flehen, aber auch mädchenhaft fragil klingen. Ihr gelingt das sensible Porträt einer leidenden Frau, die weder Mitleid noch Hilfe zu erwarten hat. Neu im Gelsenkirchener Ensemble ist der Rumäne Daniel Magdal, der als Alfredo einen achtbaren Einstand gibt. Sein Tenor gewinnt nach etwas sprödem Beginn an Glanz, zeigt Kraft ohne Kraftmeierei und versagt auch in leiseren Nuancen nicht den Dienst. Ein regelrechter Coup gelingt Günter Papendell, der aus Alfredos Vater Giorgio Germont endlich einmal mehr macht als einen hölzernen Moralisten. Papendell findet für das Schwanken zwischen Strenge und Mitleid wunderbar warme und lebendige Nuancen, für die er vom Premierenpublikum stürmisch gefeiert wurde. Mag Intendant Michael Schulz zuweilen auch etwas ausgiebig Geld regnen lassen, um die Verdinglichung aller menschlichen Beziehungen zu verdeutlichen: Er hält seinen Regie-Ansatz konsequent durch und steigert sich zu einem erschütternden Schlussbild. So verlassen wie unter diesen Menschen, so die Botschaft, kann Violetta wohl nirgends sein.

La Traviata – frisch im MiR

18.12.2011
Westdeutsche Allgemeine Zeitung (Kultur)
Anne Bolsmann

Das ist der Stoff, aus dem die Opernträume sind: Verdis „La Traviata“ ist einer Fernsehumfrage zufolge die „schönste Oper aller Zeiten“. Seit Samstag hat das Gelsenkirchener Musiktheater im Revier (MiR) das Werk zum ersten Mal seit 15 Jahren wieder auf dem Spielplan. Und schon bei den ersten Akkorden merkt man, dass diese „Traviata“ anders ist. Rasmus Baumann, Chefdirigent am MiR, hat sich monatelang in Giuseppe Verdis Partitur eingearbeitet und setzt die Anweisungen des Komponisten werkgetreu um. Er setzt Betonungen anders, als man sie aus vielen Einspielungen und von den Aufführungen der letzten Jahre kennt, arbeitet feine Akzente gezielt heraus. Damit erreicht Baumann gemeinsam mit der in Topform spielenden Neuen Philharmonie Westfalen wirklich, was er vorhat: Die ersten zwei Akte des Werkes erklingen frischer, lebendiger, hier spricht zwar Sehnsucht, aber kein bitteres Leid aus den Tonfolgen. Sopranistin Alexandra Lubchansky, die als Edelkurtisane Violetta Valery im Mittelpunkt dieses Psychodramas steht, trumpft mit reinen Koloraturen und ergreifender Bühnenpräsenz auf. Tenor Daniel Magdal, der hier ihren Geliebten Alfredo Germont verkörpert, liefert eine solide Leistung ab, wird von Bariton Günter Papendell (als dessen Vater) jedoch locker an die Wand gesungen. Allein schon Papendells Auftritt ist den Besuch dieser „La Traviata“ wert. Seine Stimme geht durch Mark und Bein. Opernchor und Extrachöre des Musiktheaters unter Leitung von Christian Jeub runden das musikalische Fest ab. MiR-Intendant Michael Schulz (kurzfristig eingesprungen für den ursprünglich vorgesehenen Regisseur) hat die Figuren mit wenig Pathos gezeichnet und lässt in dieser „La Traviata“ ständig Geld vom Himmel regnen. Die Welt der Violetta Valery wird regiert vom schnöden Mammon. Und doch sind all diese Blüten nichts wert, wenn das Leben zu Ende geht. Das von Dirk Becker gestaltete Bühnenbild von „La Traviata“ macht da weiter, wo die Inszenierung von Verdis „Aida“ vor drei Jahren am gleichen Haus aufhörte: Es ist modern, schlicht und kubistisch angelegt, vermag mit wenigen Elementen viel Inhalt zu transportieren. Rauschende Feste werden in edler Brokat-Kulisse gefeiert. Am Ende wird das Bild jedoch so karg, dass der 3. Akt fast zur konzertanten Aufführung gerät. Man fragt sich: Sind den Machern die Ideen ausgegangen oder das Geld? Nicht mal für ein Bett für die sterbende Violetta hat es gereicht. So stirbt sie aufrecht, fast ohne Zuckungen, und wäre da nicht der Arzt (Dong-Won Seo), der sie für tot erklärt – man hätte es gar nicht gemerkt. So steht einmal mehr die Musik an diesem Abend im Mittelpunkt. Und die macht diese „La Traviata“ in Gelsenkirchen zu einem wirklichen Erlebnis.

Seelendrama in Zeiten der Finanzkrise

19.12.2011
Recklinghäuser Zeitung
Bernd Aulich

Geld regiert die Welt. So lässt es uns Intendant Michael Schulz in seiner „Traviata“-Inszenierung am Musiktheater im Revier (MiR) wissen. Wie sonst nur wankenden Banken wird es in Gelsenkirchen Verdis todgeweihter Lebedame als Lustobjekt bündelweise hinterher geworfen. Dass ihre Gunst käuflich ist, erfahren wir nicht erst im Flora-Bild des zweiten Aktes. Hier verpufft der dramaturgisch sonst so atemberaubende Knalleffekt, mit dem der verbitterte Alfredo der Ex-Geliebten demütigend eine Unmenge an Scheinen entgegen schleudert, um sie als käuflich bloßzustellen. Dass er das Geld eben erst im Spiel gewonnen hat, bleibt unklar. Diese Demütigung nimmt zuvor im Landhaus-Bild schon der alte Germont mit wiederholt nachgereichten Geldbündeln vorweg, damit die anrüchige Dame, deren Ruf der Familienehre schaden könnte, der Liebe zu seinem Sohn entsagt. Ihn zeigt die Inszenierung als Parvenü, dem zu Beginn als hektischem Zaungast der Zugang zu den Reichen und Schönen in Violettas Salon verwehrt bleibt. Es ist einer von etlichen bedeutungsschwangeren Einfällen, die sich nicht zu einem großen Wurf runden. Bezwingend gelingt Regisseur Schulz indes das Schlusstableau als Wartesaal des Todes. Auf der leergeräumten Bühne hat die Gesellschaft Stuhl an Stuhl Platz genommen, um als voyeuristisches Publikum Violettas Siechtum zu betrachten. Doch der Tod ereilt die Ausgegrenzte und Geächtete vereinsamt. Sinnlich funkelnden Glanz entfacht die Gelsenkirchener „Traviata“ im Orchestergraben und mit Abstrichen im Ensemble. Schon im Salon-Bild des ersten Aktes bleibt die Gesellschaft Staffage. Dirk Beckers mobiles, auf zwei Seiten offenes, gestuftes weißes Atrium mit riesigen Proportionen strahlt Eiskeller-Kälte aus. Und Martina Feldmanns Kostüme aus wechselnden Zeitebenen zwischen 19. Jahrhundert und jüngster Jahrhundertwende übertrumpfen einander an Geschmacklosigkeit. Plumper hat bisher kaum ein Opernhaus seine Violetta ausstaffiert. Im Ensemble markiert der mit Applaus überschüttete Vater Germont des als Gast an sein früheres Stammhaus zurückgekehrten noblen Charakterbaritons Günter Papendell eine Spitzenleistung, um die herum es einsam wird. Bewundernswert, wie biegsam und mit welcher Ausdrucksfülle er das Zwiespältige dieses Charakters beglaubigt. Alexandra Lubchanskys Violetta mangelt es noch an dramatischer Kontur. Aber ihr samtener Koloratursopran zeichnet Verdis Seelendrama leicht und behände mit bezwingender Kantilene und wärmender Leuchtkraft nach. Daniel Magdal, der als Alfredo sein Debüt als neues Ensemblemitglied gibt, ist eher ein Mozart-Tenor als ein Spinto im Sinne Verdis, der sich aufs Lyrische wie aufs Dramatische gleichermaßen versteht. Die Stimme überzeugt trotz ihres schönen Timbres nicht, da sie allzu schwerfällig geführt wird. Schieres Verdi-Glück waltet unter Chefdirigent Rasmus Baumann im Orchestergraben. Baumann tilgt alles Rührselige und entfacht stattdessen fragilen sinnlichen Zauber. Hier wird nicht zelebriert. Hier wird gelitten. Und zwar mit morbidem, fahlem Streicherglanz. Verdis drastische Gestik unterschlägt die Neue Philharmonie Westfalen im schlanken, straffen, nie hetzenden Klangbild keineswegs. Aber sie lässt den sinnlichen Ausdruck dieser Musik nicht in süffigem Schwelgen ertrinken. Allein dieses Verdi-Klangwunder lohnt den Besuch.

Verdis „La Traviata“ in Gelsenkirchen

20.12.2011
kulturkenner.de
Redaktion

Dass „La Traviata“ bei der Premiere dieser realistischen Oper 1853 ein Misserfolg für Giuseppe Verdi war, ist kaum noch vorstellbar. Die Häuser greifen heute zu dem Drama um die unglückselige Kurtisane, die Kameliendame von Paris, wenn sie einen Publikumsmagneten brauchen. Das tut auch das Musiktheater im Revier, das den Stoff nach der Vorlage von Alexandre Dumas dem Jüngeren von 1848 in Regie des Intendanten Michael Schulz herausbrachte. Musikalisch rechtfertigt der Abend die Erwartungen, szenisch ist er enttäuschend. „La Traviata“ handelt von Voyeurismus und von Geld. Und handelt darüber hinaus von Liebe, Leidenschaft, Illusion und Tod. Aber die Inszenierung reduziert das psychologische Meisterwerk auf ein plakatives Statement, das sich vor allem in einem Bild erschöpft: Immer wieder fliegen bündelweise Geldscheine auf die Bühne. Die inflationären Mengen, für die sich niemand mehr interessiert, entwerten im Laufe der Zeit somit das allmächtige Geld vollends. Für das Liebespaar Violetta und Alfredo sind mit den Gastsängern Alexandra Lubchansky und Daniel Magdal schöne Stimmen aufgeboten. Eine perfekte Leistung bietet Günter Papendell als Vater Germont, der über einen vollen, frei strömenden Ton und über souveräne Beherrschung der Mittel verfügt. Der Sänger, der vor Jahren am Musiktheater im Revier seine Karriere begonnen hat und inzwischen an der Komischen Oper Berlin engagiert ist, dürfte einen interessanten Weg vor sich haben. Einen sehr guten Eindruck hinterlässt auch die Neue Philharmonie Westfalen unter Leitung des Chefdirigenten Rasmus Baumann: Ihr Verdi klingt elegant, federnd gespannt und vital.

Audio: La Traviata

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von Giuseppe Verdi
Libretto von Francesco Maria Piave nach dem Roman „La dame aux camélias“ von Alexandre Dumas d. J.
UA 1853
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Premiere
17. Dezember 2011
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