Tosca
Von diesem Opernschurken können selbst die abgefeimtesten Hollywood-Bösewichte noch etwas lernen: Baron Vitellio Scarpia, sinistrer Polizeichef eines unbarmherzigen Kirchenstaates und in ganz Rom berüchtigt für seine rücksichtslose Jagd auf Feinde des Regimes und schöne Frauen. Ein „bigotter Satyr, der sich hinter einer frommen Fassade an seiner eigenen Geilheit berauscht“, so formuliert es der Maler und Freidenker Mario Cavaradossi, der von Scarpia ins Fadenkreuz genommen wird, als er den entflohenen Polithäftling Angelotti auf seinem Villengrundstück versteckt. Für den Baron ist Cavaradossi ein willkommener Beifang. Ein kleiner politischer Triumph, aber mehr noch ein persönlicher, denn Scarpia verfolgt ein doppeltes Ziel: Er will Tosca, die temperamentvolle Geliebte des Malers und umschwärmte Sängerin. Im Palazzo Farnese stellt er sie vor eine perfide Entscheidung: Entweder ist sie ihm zu Willen oder Mario Cavaradossi muss qualvoll sterben …
Welche Verantwortung trägt die Kunst in einem totalitären System? Diese Frage ist heute aktueller denn je. Die beiden Künstler in Giacomo Puccinis 1900 uraufgeführten Oper opfern ihr Talent einem repressiven System in der trügerischen Hoffnung, sich damit wenigstens im Privaten ein Stück Freiheit bewahren zu können. Cavaradossi bemalt unentgeltlich Kirchenwände, um damit das Misstrauen der klerikalen Machthaber gegen seine liberale Gesinnung zu zerstreuen. Tosca interessiert sich nicht für Politik – sie lebt für die Kunst, von der Kunst leben kann sie jedoch nur im Dienste des Regimes. Doch aus Scarpias Spitzelstaat gibt es kein Entrinnen …
Glühende Leidenschaft und abgrundtiefes Leid, nackte Brutalität und innige Zärtlichkeit – selten hat ein Komponist explosive Emotionen so ungefiltert in Noten zu setzen gewagt wie Giacomo Puccini in „Tosca“. Aus Victorien Sardous Schauspielvorlage destillierten er und seine Librettisten mit unfehlbarem Theater-Instinkt einen brodelnden Opernthriller von cineastischem Format. Die Schönheit und Unmittelbarkeit seines musikalischen Ausdrucks verstörte seine Zeitgenossen und begeisterte die Nachwelt – heute gehört „Tosca“ zu den meistgespielten Werken der internationalen Opernbühnen. Der junge Regisseur Tobias Heyder setzt „Tosca“ für die Bühne des MiR in Szene.
Alle Termine:
  • 12. Dez. 2015, 19.30 Uhr

Diese Tosca lohnt sich

14.12.2015
Der Opernfreund
Peter Bilsing

Vor über 20 Jahren sah ich am MiR die erinnerungsmäßig schlechteste Tosca meines Lebens. Die werde ich nie vergessen; musikalisch und szenisch ein gruseliges Produkt. Alles spielte sich im Kino auf Holzsitzen, als Imagination der Protagonisten, ab. Vom Ende weiß ich nur noch, daß der etwas übergewichtige Tenor sich durch eine Bodenluke quetschen musste, was ihm angesichts einer Leibesfülle ausgesprochen schwer fiel. Nein - es war nicht Pavarotti! Auch das Orchester lärmte damals mehr als es kultivierten schönen Puccini-Klang evozierte.

Heute ist nun alles anders! Obwohl das Plakat (wer hat so geniale Einfälle?) eher darauf schließen lässt, daß Cavaradossi am Ende nicht erschossen, sondern in einem Eimer mit ives-klein-blauer Farbe ertränkt wird. Doch keine Sorgen, liebe Opernfreunde, hier wird er librettogerecht sauber erschossen. Nur die Tosca - soviel sei verraten - springt mangels Engelsburg bzw. fall-abfedernden Trampolins nicht in die Tiefe; was grundsätzlich nicht schlimm ist, denn diese Szene gelingt meist entweder nur unfreiwillig komisch bis lächerlich oder gar nicht. Viel mehr Details verrate ich nicht. Nur soviel: Freuen Sie sich auf einen gelungen interessanten Musiktheaterabend am Musiktheater im Revier. Diese Tosca lohnt sich.

GMD Rasmus Baumann hat Großes geleistet, denn die Neue Philharmonie Westfalen spielt auf internationalem Niveau. Hier stimmte gestern alles; ein rubato-reicher Puccini mit exzellentem Bläserklang, anrührenden Streichern und einem schier unter die Haut gehenden exzessiven Spannungsbogen, der niemals abreißt. Der Begriff der "kontrollieren Klanggewalt" wäre hier angebracht, denn sogar im normaler Weise alles nieder-schmetternden mächtigen Te Deum bleibt die Musik durchhörbar und sängerfreundlich koordiniert. Selten habe ich dieses Orchester so gut aufspielen gehört. Was doch ein guter Dirigent mit Feingefühl für Italianita so alles bewirken kann... Bravo Maestro ;-)) !

Der zweite Star des Abends ist (mal wieder!) Aris Argiris. Sein Scarpia hat Weltklasse-Format und die relativ unprätentiöse Rollengestaltung ist einfach faszinierend, besonders wenn man schon unzählige Tosca-Bösewichter in seinem Leben wahrgenommen hat. Nun ist die Rolle aber auch vom ausgezeichneten Musiktheater-Regisseur Tobias Heider ganz ungewöhnlich angelegt. Sein Scarpia ist ein oft barfüßig daherkommender, fast schäbig wie ein Penner wirkender Polizeichef, dem man seine Begeisterung für Künste eigentlich im ersten Akt noch gar nicht abnimmt. Im zweiten Akt nimmt sein seltsamer Kunstgeschmack schon Figur an. Sein Garten der Gelüste orientiert sich hin zum blasphemisch Morbiden. Da hängt ein Hieronymus Bosch, neben diversen Werken schwarzer Hexen- und Höllenkunst und überall lagern die leibhaftigen Kreaturen aus dem Vorhof der Hölle, die im ersten Akt das Te Deum in frappierenden Bildern sozusagen zu einer schwarzen Messe gerieren ließen.

Außerdem ist er ein Bach-Freund; so beginnt und endet der zweite Akt mit einer rotierenden Schellack-Platte im Originalsound eines Trichtergrammophons, von dem wir die Arie "Erbarme Dich mein" aus der Matthäus Passion hören. Eine originell eingespielte Rahmenmusik - sehr treffend ausgesucht. Das ganze spielt, Toscas Frisur und ihrer Kleidung nach zu urteilen, in den späten 30er Jahren. Thilo Steffens hat eine einfache Bühne gebaut; ein serailartig viereckiges Einheitsbühnenbild, einen Klosterraum in dem eine große Leinwand steht, welche schlanke nackte Frauen (moderne Madonnen?) auf Stöckelschuhen zeigt. Das wirkt weder anstößig, noch irgendwie obszön oder pornographisch. Moderne Kunst der Zeit. Augenscheinlich ist Scarpia am Anfang noch ein der freien Kunst recht offen zugänglicher Diktator. Später im dritten Akt wird das Bild schwarz übermalt - mit dem Künstler soll auch seine Kunst sterben.

Die Kostüme von Verena Polkowski haben etwas besonderes, denn sie sind interessant unaufdringlich, aber zeitgemäß schäbig. Bis auf Floria Tosca, die im zweiten Akt im schönen Hermelin und blauen schulterfreien Glitzerkleid auftritt, wirken die anderen wie Gestalten einer bewusst billig angezogenen Kaste der Kommunistischen Partei Italiens. Die Figuren der Statisterie (Tolle Leistung!) könnten direkt dem obskuren Kabinett aus Fellinis Satyricon entsprungen sein. Sowohl Chor (Christian Jeub), als auch Kinderchor (Alfred Schulze-Aulenkampf) leisten Bestes. Ganz ausgezeichnet überzeugend ist die perfekt abgestimmte stimmungsvolle Lichtregie von Patrick Fuchs.

Last but not least die weiteren Protagonisten, die sich relativ achtbar schlagen. Zwar hat Petra Schmidt in Volumen und Tiefe nicht unbedingt die wuchtige Tragweite, die man so von den altbekannten Toscas im Ohr hat, dennoch überzeugt sie durch interessante Darstellung. Eine intelligente Sängerin, die weiß, mit was und wo sie in den wichtigen Passagen zu überzeugen hat. Ihr "vissi d´arte" bleibt gelungen bodenständig und wirkt weder callas-imitierend noch allzu Belkanto-Hit deklamatös. Dafür bekommt sie zu Recht Szenenapplaus. Insgesamt in dieser doch so hochschwierigen Partie eine treffliche Leistung.

Derek Taylors Cavaradossi überzeugte mich sowohl darstellerisch, als auch gesanglich nicht. Er ersetzt Lyrik durch Kraft, schöne Legatobögen bleiben Mangelware. Irgendwie hat man den Eindruck, daß die Regie ihn einfach vergessen hat, oder sich selbst überließ. Eine besondere Zuneigung des Regieteams zu dieser Figur überhaupt lässt sich nicht erkennen. Er wird ziemlich stiefmütterlich behandelt. Kein strahlender Held. Hier leuchten keine Sterne. Außer dem Messner von Joachim G. Maaß, eine ausgezeichnete Sangesleistung des seit Jahrzehnten stets überzeugenden MiR-Oldtimers, bleiben die anderen Comprimarii relativ kontur- und farblos.

Insgesamt eine überraschend interessante, eine originelle Produktion, die man sich auch nach der 20.Tosca durchaus anschauen kann. Die vereinzelten Buhs für das insgesamt musiktheater-mäßig ausgezeichnete Regie-Team waren unberechtigt und gingen im allgemeinen Premierenjubel zurecht unter - aber vielleicht fehlte jenen Puccini-Altaristen einfach die reale Engelsburg und der final alberne Sprung der Heldin aus der Höhe auf eben das schon anfangs angedeutete imaginäre Trampolin.

Düstere Passion im Polizeistaat

15.12.2015
Recklinghäuser Zeitung
Bernd Aulich

Steht denn statt Weihnachten schon Ostern mit der Karwoche vor der Tür? So überfrachtet mit Verweisen auf das christliche Passionsgeschehen wie am Musiktheater im Revier (MiR) sah man Giacomo Puccinis „Tosca“ kaum je.

Dabei erzählt dieser Opern-Schocker keineswegs von einem erlösenden, vielmehr von einem sinnlosen Künstlertod und einem Schurken, der ins eigene Messer läuft. In Gelsenkirchen hat sich Regie-Anfänger Tobias Heyder des hochdramatischen Werks befleißigt. Freundlicher Beifall und vereinzelte Buh-Rufe quittierten in der Premiere eine verquaste Inszenierung. Als Repertoire-„Hit“ bedarf „Tosca“ nicht ein ums andere Mal eines originellen neuen Zugriffs. Hier reicht es völlig, das Drama um die Diva Floria Tosca, den malenden Freigeist Cavaradossi als ihren Geliebten und den lüsternen Sadisten Scarpia als Gegenspieler authentisch und schlüssig auf die Bühne zu bringen.

Die Musik gibt dafür exakt den roten Faden vor. In Gelsenkirchen trägt sie nahezu allein einen nicht gänzlich misslungenen, aber nicht gerade aufregenden Abend. Die Regie verzettelt sich in abstrusen Einfällen. Regisseur Heyder interessiert, wie mit Tosca und Cavaradossi zwei Liebende in den Strudel der Gewalt geraten. Und wie hoffnungslos sie sich in einem reaktionären Polizeistaat zu behaupten versuchen, der sich – höchst aktuell in Zeiten islamistischen Terrors – der Religion als Mittel der Repression bedient. Verena Polkowskis Kostüme rücken das düstere Geschehen in die Nähe des italienischen Faschismus. Das Tedeum mündet in einen surrealen Hexensabbat mit einer Pièta-Figuration, in der sich Roms Polizeichef Scarpia in infernalischer Phantasie in den Armen einer Madonna mit nacktem Busen räkelt. Diese Madonna taucht im Scarpia-Akt als lebendige Figurine wieder auf. Von einem alten Grammophon eingespielte Arien aus Bachs Matthäuspassion umrahmen diesen Akt. Scarpia hat im Hauptquartier des Palazzo Farnese wie der Nazi-Kunsträuber Göring wertvolle Gemälde gehortet. Zu Beginn fällt der Blick auf ein Helmut Newtons Foto „Sie kommen“ nachempfundenes Gemälde mit Nackten, die der Messner (Joachim G. Maaß) mit Parkinson-zittriger Hand erst begrabscht und im Finale schwarz übertüncht.

Aris Argiris’ abgerissener Scarpia mit ungelenker Glöckner-von-Nôtre-Dame-Gebärde verkörpert den abgefeimten Schurken ohne Dämonie als gebrochene Gestalt – auch er ein Opfer – mit stupender Fülle an Ausdrucksnuancen. Petra Schmidts Tosca, zuerst armes Hascherl, dann souveräne Diva mit aufgeblasener Anita-Ekberg-Gebärde aus Fellinis „La dolce Vita“ überzeugt mit leuchtkräftigem Sopran auch in den Sforzato-Ausbrüchen. Aber ihre große Arie „Vissi d’arte“ gerät allzu verhalten. Spinto-Tenor Derek Taylor bringt reichlich italienischen Schmelz mit. An Geschmeidigkeit und berückendem Glanz indes gebricht es ihm als Cavaradossi.

Rasmus Baumann, dem Brachialen ohnehin abhold, verschmäht es mit der Neuen Philharmonie Westfalen, musikalisches Feuer bis zum Siedepunkt zu entfachen. Es scheint, als verneine er den Verismo-Naturalismus dieser Oper. Dafür entfacht er mit berückendem Detailreichtum eine überwältigende Fülle an Wohllaut. Der Tosca bleibt der Freitod erspart. Tilo Steffens’ leicht variierte burgartige Einheitsbühne, in der sich alle als Gefangene erweisen, bietet schließlich keine Galerie für einen Absprung von der Engelsburg.

Ein kunstsinniger Tyrann

14.12.2015
theater pur
Thomas Hilgemeier

„Erbarme Dich...“ tönt es aus dem Grammophon. Tosca hat es angekurbelt, nachdem sie Scarpia erstochen hat. Und der stirbt ob der Alt-Arie aus Bachs Matthäus-Passion scheinbar fast getröstet. Ein kunstsinniger Tyrann? Tobias Heyder zeigt in seiner Tosca einen sehr widersprüchlichen Scarpia: Einen, der einerseits Bilder sammelt. Sein Palast ist eine einzige Galerie im Aufbau. Überall stehen – in einem von einer überdimensionalen Staffelei beherrschten Raum - Gemälde oder Teile davon herum. Andererseits scheint er krank zu sein – wird beherrscht von seltsamen Gesichtszuckungen. Sind seine Grausamkeit, sein offensichtlich auf pure plumpe Geilheit reduziertes Sexualleben Resultate einer psychischen Krankheit? Denn augenscheinlich existieren sein Potenz und sein Verlangen eher in seiner Fantasie. Wirklich zuzupacken traut er sich bei Tosca nämlich nicht. Heyder stellt da mehr Fragen, als dass er sie beantwortet.

Scarpia scheint auch der einzige Charakter zu sein, mit dem sich das Regieteam wirklich beschäftigt. Tosca ist ganz fromme Künstlerin, die ihrem Beichtvater sicher nur ihre Treffen mit dem forschen Maler Cavaradossi zu beichten hätte. Der wiederum ist kein wirklich politischer Künstler, sondern eher ein hilfsbereiter Kumpel, der Angelotti dann eben mal versteckt.

Tilo Steffens’ Bühne ist zweckdienlich: gemalte romanische Fenster und Türbögen, in der Kirche wenig für’s Auge – außer einer eher mickrigen Madonna. Dafür ein Gemälde mit nackten Frauen, das der Mesner im Engelsburg-Akt schwarz übermalt – Sieg der Reaktion? Sollen die 1930er-Jahre-Kostüme Verena Polkowskis etwa an die historische Nachfolge-Diktatur Mussolinis gemahnen?

Das Regieteam überfrachtet leider die Inszenierung mit Anspielungen und Bildern, die oft nicht zu entschlüsseln ist. Besonders die Figur des Scarpia bleibt sehr rätselhaft.

Das liegt sicher nicht an Aris Argiris. Seine immensen darstellerischen Möglichkeiten, seine so überaus nuancierte stimmliche Figuren-Auslotung, sein voller, mal balsamisch lockender, mal schwarz drohender Bariton machen diese Tosca zu einem Erlebnis, das im Gedächtnis bleibt. Dazu trägt auch Petra Schmidt in der Titelpartie bei. Unheimlich stark bühnenpräsent, liegen ihr weniger die Ausbrüche der eifersüchtigen Diva zu Beginn. Die mit dem Geliebten leidenden Passagen aber und das einfach wunderbar gestaltete „Vissi d’Arte“ gehören zu den ganz eindrücklichen Momenten. Derek Taylor ist ihr ein Partner, der den Cavaradossi gut singt, aber noch ein wenig tiefer eindringen könnte in die Seele dieses verliebten Schwärmers.

Tosca ist eigentlich ein Drei-Personen-Stück, doch zum absolut runden musikalischen Ergebnis tragen an diesem Abend eben auch alle anderen Mitwirkenden bei: die rund singenden Chöre Christian Jeubs und Alfred Schulze-Aulenkamps, Dong-Won Seo als zu Tode gehetzter Angelotti, Joachim G. Maaß als reaktionärer Mesner, William Saetre und Peter Rembold als Erfüllungsgehilfen Scarpias, Jacoub Eisa als Schließer. Aufhorchen ließ Countertenor Sion Choi als Hirt. Da wächst im Jungen Ensemble des MIR, zu dem auch Jacoub Eisa und Peter Rembold gehören, etwas Tolles heran.

Rasmus Baumann und die Neue Philharmonie Westfalen zaubern Tosca-Feinheiten aus dem Graben. Alles gelingt – besonders aber der Beginn des dritten Aktes evoziert Gänsehaut. Viel Zuspruch vom Publikum!

Große Oper mit tollen Sängern

14.12.2015
Online Musik Magazin
Stephan Schmöe

Ausgerechnet Tosca, dürfte mancher ambitionierte Jungregisseur fluchen, wenn ihm diese Oper angeboten wird. Was soll man da schon groß an eigenen Ideen inszenieren? Das Stück, ein bis ins Detail festgelegter Opernkrimi, läuft ja quasi von allein. Zumal dann, wenn man einen formidablen Dirigenten hat wie bei dieser Gelsenkirchener Premiere Rasmus Baumann am Pult der ebenso engagierten wie zuverlässigen Neuen Philharmonie Westfalen, der die Musik fiebrig aufgepeitscht in Hochspannung versetzt, und wenn auch noch ein gutes Sängerensemble unbeeindruckt von allen Klanggewalten unerschrocken dagegen hält. Und Puccini hat ja textlich wie musikalisch ziemlich eindeutig festgelegt, wer hier gut ist und wer böse ist. Was kann ein ambitionierter Jungregisseur da noch eigenes einbringen? Szenenfoto kommt später

Na ja, zum Beispiel die Geschichte in die Zeit des Faschismus verlegen. Faschismus geht immer, zumal die italienische Variante, das hat sich vielfach bewährt. Das ist uns historisch näher als die napoleonischen Kriege und wirkt auf der Bühne auch immer ein bisschen gefährlicher. Und das funktioniert auch hier in der Inszenierung von Tobias Heyder, in Kostümen der 1930er oder 1940er-Jahre. Die Kinderchor-Chormädchen mit braven Zöpfen deuten auf eine ziemlich konservative Gesellschaft hin, die wenig revolutionär gestimmt ist - da liegt ein Hauch von Kritik an der katholischen Kirche in der Luft, die mit der ins lächerliche gezogenen Figur des denunziatorischen Mesners ja auch bei Puccini angelegt ist. Die Bühne (Tilo Steffens) ist von einer unterkühlten Rundbogen-Architektur umgeben wie ein Gefängnis (leider sieht das arg nach Sperrholz aus). Handwerklich gelungen ist das Konzept nur teilweise. "Sie haben ein altes Weib aus mir gemacht", dürfte Petra Schmidt alias Tosca der Kostümbildnerin Verena Polkowski entgegen seufzen, denn so matronenhaft, wie sie hier ausgestattet ist, wird sie wohl kaum die Begierde des Superbösewichts Scarpia auf sich ziehen. Tapfer singt Petra Schmidt, Ensemblemitglied am Musiktheater im Revier, gegen das unglückliche Outfit und die ziemlich holzschnittartige Personenregie an und gibt, auch wenn die Stimme nicht mehr ganz jung ist und hier und da etwas matt bleibt, eine bravouröse Diva mit dramatischer Kraft bis zum tragischen Ende. Szenenfoto kommt später

Die Personenregie scheint überhaupt weitgehend den Sängern selbst überlassen zu sein, jedenfalls beschränkt sich der smarte amerikanische Gasttenor Derek Taylor als Cavaradossi auf ein paar Standardgesten, die weder falsch noch besonders aufregend sind, und konzentriert sich aufs Singen - und das macht er eindrucksvoll, mit kraftvollem, angenehm timbrierten Forte und sicherer, nicht zu dünner Höhe, und er gestaltet die Partie sehr kultiviert ohne irgendwelche tenoralen Manierismen. Eine echte Entdeckung auf deutschen Bühnen (laut seinem Lebenslauf hat er in Europa bisher, bis auf einen einzelnen Abstecher nach Basel, am kleinen Theater in St. Gallen gesungen). Mit sehr viel höherem Körpereinsatz und großer, jugendlich-dramatischer (nicht sehr dunkler) Stimme singt und spielt Aris Argiris, der zu Beginn seiner Karriere im Gelsenkirchener Ensemble engagiert war, den Scarpia als animalischen Lüstling - kein Schreibtischtäter, sondern einer, der nie stillsitzen kann. Und da Dong-Won Seo als Angelotti und Joachim G. Maaß als Mesner sehr ordentliche Besetzungen sind und auch Chor und Kinderchor prächtig singen, ist es um die vokale Seite sehr gut bestellt - mit Countertenor Sion Choi als fremdartig schön klingendem Hirten als Zugabe obendrauf.

Ein Opernkrimi um Sex und Macht mit großer Musik, das war dem Regieteam aber doch etwas zu wenig. So rückt die Kunst, und zwar die bildende, in den Fokus, schließlich ist Cavaradossi ja Maler. Was er da gestaltet, ist der herrschenden Schicht offenbar zu modern und zu freizügig - sein Monumentalbild aus dem ersten Akt wird im letzten vom Mesner schwarz übermalt, das ist die stärkste Szene der Inszenierung. Scarpia sammelt offenbar alles von Rang und Namen, wenn es nur alt genug ist, und er streicht immer wieder mit den Händen über die alten Meister (schleudert sie dann aber auch schon mal unvermittelt durch den Raum). In solcher Kunstauffassung spiegelt sich der Konflikt zwischen den reformfreudigen Anhängern der Republik wie der aus dem Gefängnis entflohene Angelotti und dem mehr zufällig da hinein geratenen Cavaradossi einerseits, der repressiven System um Scarpia und letztendlich der katholischen Kirche andererseits. Offenbar gibt es eine ganze Reihe von Anspielungen auf unterschiedliche Gemälde, die aber ziemlich unklar bleiben. Zum Te Deum am Ende des ersten Aufzugs erscheinen eine Reihe surrealer Gestalten, eine Madonna mit riesigen entblößten Brüsten zum Beispiel. Die scheinen einem Bild entsprungen zu sein (nur welchem?). Die Kunst bricht in den Alltag herein. Szenenfoto kommt später

Auf den ersten Blick ist das ja schön gedacht, auf den zweiten ist es nicht allzu plausibel. Scarpia als kunstbeflissener Schöngeist, das will nicht passen - nicht seiner abgrundtiefen Bösartigkeit wegen, sondern weil er sich nicht einen Hauch für den Künstler Cavaradossi interessiert, der für ihn nur unbequemer Freigeist und, viel wichtiger, Liebhaber der begehrten Tosca ist und damit den eigenen sexuellen Ambitionen im Wege steht. Nein, als Diskurs über moderne Kunst in totalitären Systemen taugt Tosca auch hier nicht. Und sehr rätselhaft bleibt ein Bild, mit dem Heyder den zweiten Akt beginnt: Da liegt, eine absonderliche Pietá, Scarpia wie tot in den Armen der barbusigen Madonna, und vom Uralt-Plattenspieler ertönt leiernd Bachs Erbarme-Dich-Arie aus der Matthäuspassion. Später wird Scarpia die CD wütend zerbrechen, aber er hat offenbar vorgesorgt für solche Ausbrüche und gleich weitere Exemplare bereit gelegt. Am Ende des Akts legt Tosca eben diese Platte noch einmal auf, und jetzt macht die Bitte um Erbarmen zwar mehr Sinn, überlagert aber leider störend Puccinis musikalischen Aktschluss.

Am Ende gibt es nach allerlei solcher Ungereimtheiten neben großem Jubel für Sänger, Dirigenten und Orchester ein paar kräftige Buhs für das Regieteam, ein wenig ungerechtfertigt, schließlich ist der Wille zur Stückausdeutung erkennbar, und als Provokation sind die schwer entschlüsselbaren, wohl auch nicht wirklich konsequent durchdachten Einschübe sicher nicht gemeint - aber sie prallen an dem Werk ab, das sich dem Regietheaterzugriff einmal mehr entzieht. Ausgerechnet Tosca, wird vielleicht das Team um Tobias Heyder nach der Premiere leise fluchen.

Große Oper mit tollen Sängern, einem vorzüglichen Dirigenten und einem bestens aufgelegten Orchester. Die Inszenierung ist dann am besten, wenn sie nicht groß stört. Der halbherzige Versuch, dem geradlinig erzählten Opernkrimi eine Metaebene zu verpassen, auf der über die Rolle von Kunst und Künstler sinniert wird, geht nicht auf, nicht zuletzt wegen mancher handwerklichen Schwächen.

Tosca

14.12.2015
Neuer Merker
Christoph Zimmermann

Sympathie für die neue „Tosca“-Produktion am Musiktheater im Revier will sich zunächst nicht einstellen. Die Rundöffnung im schwarzen Abdeckvorhang, durch welche Angelotti robbt, wirkt naiv klerikal, romanische Formen prägen dann auch den architektonisch kaum attraktiv zu nennenden Kirchenraum des 1. Aktes. TILO STEFFENS‘ Bühne wird von einer riesigen Leinwand mit weiblichen Aktfiguren dominiert, welche den Messner (wie immer charaktervoll: JOACHIM G. MAAß) fast die Beherrschung verlieren lassen. Interessanter Akzent. Beflügeln diese Figuren Cavaradossis malerische (und womöglich private erotische) Fantasie? Dann wäre Toscas sonst meist etwas zickig wirkende Eifersucht wohl doch gerechtfertigt. Doch auch wenn dem so ist, dieser Fingerzeig des Regisseurs TOBIAS HEYDER wirkt unbotmäßig vergrößert und auch vergröbert.

Scarpia tritt nicht mit herrischem Aplomb auf, sondern schleicht sich wie beiläufig in die Kirche Sant’Andrea della Valle. Einen imposanten Politiker gibt ARIS ARGIRIS per se nicht ab, mit seiner „privaten“ Kluft (modernisierte Kostüme: VERENA POLKOWSKI) und seinem fettig strähnigen Haar wirkt er eher wie ein Clochard. Das Te Deum erlebt er als eine Art schwarze Messe oder Walpurgisnacht, bevölkert von lasziven, erotisch stigmatisierten Figuren, in deren Umarmungen sich der Polizeichef wollüstig verliert.

Der 2. Akt liefert eine Fortsetzung solcher Bilder, verdeutlicht aber stimmig ihren zunächst nur bedingt nachvollziehbaren Sinn. Säulen mit Reliefgesichtern deuten an, dass die Handlung im Palazzo Farnese spielt. Bei Heyder/Steffens ist er freilich mehr eine private Gemäldegalerie Scarpias, Kunstfiguren prägen sein Leben. Es wird auch von Musik geprägt, die von einem Grammophon kommt (es ist anspielungsreich die akustisch leicht verzerrte Arie „Erbarme dich“ aus Bachs „Matthäus-Passion“). Dirigent RASMUS BAUMANN lässt die musikalische Fremdeinwirkung auch am Schluss nochmals zu. Wahrscheinlich überzeugte ihn Heyders unkonventionelles Scarpia-Porträt.

Mit Aris Argiris (dem MiR seit langem verbunden) erlebt man keinen überlegenen Machtmenschen, sondern – ganz banal ausgerückt – ein armes, vom Leben enttäuschtes Würstchen, das sich nur mühsam auf seinem wie auch immer erklommenen Thron hält. Seine demonstrativ zur Schau getragene erotische Coolness („Tosca è un buon falco“) ist nur Behauptung, immer wieder ist die innere Angst von Kontakten mit Frauen zu spüren. Ein Mann letztlich für die Couch. Aber dorthin würden Scarpia keine zehn Pferde bringen, er betreibt lieber Selbsttherapie mit imaginiertem himmlischem Personal. Tobias Heyder gelingt ein unheimlich tiefenscharfes Porträt, und der Sänger folgt ihm mit seiner virilen Stimme offenbar bedingungslos. Die Umarmung beim Schlussapplaus sprach Bände.

Sowohl Tosca als auch Cavaradossi sind Künstlerpersönlichkeiten, an denen die politische Außenwelt bislang vorbei ging, wobei sie natürlich ein sehr viel naiverer Typ ist „Vissi d’arte“). Nun aber werden sie in ein brutales Leben hinein gestoßen und verbluten daran. Der Maler durch einen Genickschluss Spolettas, der eigentlich nur ein vorgetäuschter sein sollte. Was Tosca blüht, welche in Gelsenkirchen nicht von den Zinnen der Engelsburg in den Tod springt, sondern die Leiche ihre Liebsten jammernd in die Arme presst, möchte man sich nicht ausmalen. PETRA SCHMIDT gestaltet diese Schmerzensszene bewegend. Im 1. Akt (hier noch mit einigen vokalen Schwächen) gibt die die Kokette, im Mittelbild findet sie (mit vielen darstellerischen Nuancen) zu einer gestärkten Identität, um dann zuletzt in Verzweiflung zu enden. Ein großartiges Porträt der Sängerin, nun auch Sägefisch voll beglaubigt.

Darstellerisch sehr agil gibt sich weiterhin der amerikanische Tenor DEREK TAYLOR (Cavaradossi) und erfreut zudem durch eine attraktive Erscheinung. Sein Gesang bewegt sich vornehmlich im Spinto-Forte, aber das sehr wirkungsvoll. Als Angelotti tönt DONG-WUN SEO basswuchtig. Aus dem Ensemble „Junge Stimmen am MiR“ sind SION CHOI (Hirte), PETER REMBOLD (Sciarrone) und JACOUB EISA (Schließer) im Einsatz. Über WILLIAM SAETRE (Spoletta) sollte bezüglich vokaler Verfassung besser nichts verlauten.

Rasmus Baumann bekommt mit der NEUEN PHILHARMONIE WESTFALEN den flammenden Gestus von Puccinis Blutdrama, aber auch den seidig schimmernden Klang lyrischer Passagen bestens in den Griff. Premierenbeifall gab es berechtigt für alle Bereiche des Musikalischen. Den Regisseur traf einige Missbilligung. Zu Unrecht.

Gelsenkirchen feiert Puccinis „Tosca“

13.12.2015
Westdeutsche Allgemeine Zeitung (Kultur)
Pedro Obiera

Die Begeisterung war groß, als der Vorhang des Gelsenkirchener Musiktheaters im Revier nach der Premiere von Giacomo Puccinis Polit-Thriller „Tosca“ fiel. Für den Schlussapplaus musste die Titelheldin nicht einmal reanimiert werden. Denn Regisseur Tobias Heyder erspart ihr sowohl den Sprung von der Engelsburg als auch andere Methoden der Lebenszeitverkürzung. Ein drastischer Eingriff in das Libretto, einer von vielen, die aber die bezwingende Wirkung der Musik nicht trüben können.

Generalmusikdirektor Rasmus Baumann scheut sich am Pult der vorzüglich disponierten Neuen Philharmonie Westfalen nicht, die Effekte und Gefühlsorkane knallig auszuspielen, versteht es aber nicht minder, die Register differenziert zu nuancieren, wenn sensiblere Töne angesagt sind. Das trifft auch auf Aris Argiris als Scarpia zu, den Sänger mit der mächtigsten Stimme und der ausgeprägtesten Bühnenpräsenz des Abends. Dass sein Rollenbild von der Regie entstellt wird, steht auf einem anderen Blatt. An Wucht und berückender Dämonie fehlt es seiner Darstellung weder szenisch noch gesanglich.

Petra Schmidt in der Titelpartie kann da mithalten, auch wenn die Rolle die Grenzen ihrer dramatischen Möglichkeiten markiert. Vor allem in den lyrischen Passagen, auch in ihrer exzellent erfüllten Arie, kann sie überzeugen. Schade, dass Derek Taylor als Cavaradossi darstellerisch so harmlos-blass wirkt. Stimmlich steht er die Partie nur mit Anstrengung durch, wodurch sich sein Timbre nur begrenzt entfalten kann.

Der Rest des Ensembles bewegt sich auf gutem (Joachim G. Maaß) bis unauffälligem (Dong-Won Seo) und grässlichem Niveau (William Saetre als Spoletta). Druckvoll stimmt der Chor inklusive des Gelsenkirchener Kinder- und Jugendchors das „Te deum“ an. Scarpia als Opfer der Kirche, Tosca nur als emotionaler Vulkan – nur zwei der gravierenden Figuren-Missverständnis Heyders.

Tilo Steffens schafft zurückhaltende Bühnenbilder: Dunkle Räume, die wenig Hoffnung ausstrahlen, aber die gedrückte Atmosphäre im totalitären Kirchenstaat spüren lassen. Ein Staat, der, den Kostümen von Verena Polkowski zufolge, in den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts angesiedelt scheint, warum auch immer.

Insgesamt eine nicht rundum schlüssige Inszenierung mit etlichen musikalischen Meriten.

Puccinis Tosca in Gelsenkirchen

14.12.2015
Ruhr-Nachrichten
Heinz-Albert Heindrichs

Mit seiner 1900 in Rom uraufgeführten Oper „Tosca“ ist Giacomo Puccini ein Meisterwerk gelungen, das in seiner Ballung von Sinnlichkeit, Liebeswahn und teuflischer Aggression kaum zu überbieten ist. Im Musiktheater im Revier Gelsenkirchen erlebt es nun, dank GMD Rasmus Baumann und der PhilharmonieWestfalen, eine musikalische Interpretation, wie sie dichter, aufregender, stimmiger wohl kaum sein kann - und das großbesetzte Bühnenensemble (zehn Solisten, Opern- und Extrachor, Kinder- und Jugendchor) macht das musikalische Abenteuer begeisternd mit.

Die Handlung wird bestimmt von drei Sängerpersönlichkeiten, die stürmisch bejubelt werden: Sopranistin Petra Schmidt in der Titelrolle der Sängerin Tosca - Tenor Derek Taylor als der Maler Cavaradossi, der sie liebt - Bariton Aris Argiris als korrupter Polizeichef Scarpia, der sie leidenschaftlich begehrt und darum böse Intrigen spinnt: am Ende ersticht Tosca ihn, und ihr Geliebter wird vor ihren Augen erschossen. Musikalisch lässt sich dieses Dreiecksdrama wohl besser kaum besetzen; am Ende drängt diese menschliche Tragödie das politische Geschehen in den Hintergrund; wie Puccini diese Zuspitzung erreicht, könnte man geradezu schon filmisch nennen.

Das zu zeigen, könnte dem Regisseur Tobias Heyder und seinen Helfern Tilo Steffens (Bühne) und Verena Polkowski (Kostüme) vorgeschwebt haben: Puccinis Oper spielt um 1800, zu Napoleons Zeiten - die Gelsenkirchener Ausstattung aber nach etwa 1940; solche Zeitumstellungen führen jedoch, vor allem im ersten Akt, zu Unstimmigkeiten, die das Publikum als irritierend wahrnimmt und dies am Ende der Vorstellung durch Buhrufe zum Ausdruck bringt. Da stellt Heyder beispielsweise die große Prozession zum Tedeum als eine Art schwarzer Messe dar und raubt der grandiosen Musik hier ihre eigentliche Aussage, die viel mehr bedeutet und erfasst.

Dies sollte jedoch niemanden davon abhalten, diesen Opernabend zu versäumen, der musikalisch ein Ereignis ist.

Audio: Tosca

  • Um den Audioplayer zu sehen muss Flash installiert sein.
  • Um den Audioplayer zu sehen muss Flash installiert sein.
  • Um den Audioplayer zu sehen muss Flash installiert sein.
  • Um den Audioplayer zu sehen muss Flash installiert sein.
  • Um den Audioplayer zu sehen muss Flash installiert sein.
OPER VON
GIACOMO PUCCINI
NACH „LA TOSCA“ VON
VICTORIEN SARDOU
LIBRETTO VON
GIUSEPPE GIACOSA UND LUIGI ILLICA
UA 1900

IN ITALIENISCHER SPRACHE MIT DEUTSCHEN ÜBERTITELN
Premiere
12. Dezember 2015
Powered by Kentico CMS