Das Ballett im Revier tanzt für und mit Jugendliche(n)
American Opera von Kurt Weill
Musical von Franz Wittenbrink
Oper von Felix Leuschner
Musical von Dana P. Rowe Deutschsprachige Erstaufführung
Dichtung oder Wahrheit, was am Ende im Foyer, gleich vor den berühmten blauen Yves-Klein-Wänden , in der Regie von Ulla Theißen Uraufführung feierte, war ein bestechendes, faszinierendes Kaleidoskop aus magischen Klängen (Musik Felix Leuschner) und poetischen Texten.
Dem Team ist eine authentische, originelle, zum Teil auch unterhaltsame Interpretation gelungen, die ein wenig die Leichtigkeit der Architektur des Theaterbaues und seine Beziehung zur kontrastierenden Gelsenkirchener Außenwelt aufnimmt. Ein spannender Theaterabend auf hohem Niveau.
Gegen die überwältigende Flut szenischer Visionen behauptet sich Brittens vom diabolischen Tritonus durchwirkte, durch harte Dur-Moll-Reibungen geprägte Musik weniger durch unbändige Wucht als durch feine Dynamik und exzellente Balance. Rasmus Baumann als umsichtiger Dirigent des großen Orchesterapparates und Clemens Jüngling als Leiter des Kammerorchesters auf der Bühne zeichnen die Fieberkurven der Musik bestechend transparent mit Herzblut und Akribie nach.
...Die bohrende Intensität, die schrillen Dissonanzen, die grellen Ballungen, die explosiven Entladungen, die fahlen Farben des Todes, die Lyrismen der Seelenzeichnung und die Fülle an Zitaten – wo hat man sie je so erregend und so differenziert gehört wie in Gelsenkirchen?
Ein Premierenabend, der durch den gebündelten Leistungswillen des gesamten Hauses überzeugt und in der emphatischen Darbietung einfach mitreißend ist. Allen Opernkennern sei nahe gelegt, die Möglichkeiten solcher Rarität sich nicht entgehen zu lassen und sich dem aufbrandenden Premierenapplaus der Gelsenkirchener Operngänger anzuschließen.
Mit Bridget Breiner beginnt am Musiktheater im Revier (MiR) ein neues Ballettzeitalter. Zum Einstand der neuen Ballettdirektorin und ihrer zwölfköpfigen neuen Truppe erhob sich das hingerissene Publikum im Großen Haus, um sie mit Ovationen zu überschütten.
In ihrer ersten abendfüllenden Choreografie stimmt schlichtweg alles. Ihr aus Motiven des Märchens der Gebrüder Grimm gespeistes, mit ausdauernden Klatschmärchen gefeiertes spannendes Handlungsballett ist intelligent erzählt, raffiniert choreografiert, und es wird von den zwölf Tänzern des Balletts im Revier mit höchster Brillanz getanzt.
„Am Ende war der Jubel einhellig: für das große Ensemble, für den Chor, das Orchester, den Dirgenten und das Regieteam. Ehe der Vorhang fällt, gelingt Michael Schulz indes ein überraschender, geheimnisvoller, ganz neuer Schluss, den ich nicht verraten und zerreden möchte.“
Und wie musikalisch Verdis verstehend Michael Schulz das Ensemble führt, ist vorbildlich und verdient hohes Lob.
Einen Traumstart legte Bridget Breiner (...) mit ihrem neuformierten „Ballett im Revier“ an Gelsenkirchens Musiktheater im Revier hin. Zu der brüchig heiseren Stimme der französischen Chansonière Barbara auf das Solo Tué von Marco Goecke gab die Ballettchefin selbst eine frappante Kostprobe ihrer meisterhaften Körperkunst.
„Nach drei kurzweiligen Stunden voll prallen Volkstheaters, Walzerseligkeit und tänzerischer Revue feierte das Publikum das Ensemble mit minutenlangem Beifall.“
Da auch gesprochene Dialoge meistens melodramatisch untermalt sind, greifen - trotz des Nummerncharakters der Oper die verschiedenartig gestalteten Szenen ineinander, sodass eine abwechslungsreiche, unterhaltsame, auch Bewegungselemente miteinbeziehende Darbietung entsteht. Komik und Ernst stehen nebeneinander.
„Bridget Breiner nutzt dieses Debüt so klug wie phantasievoll: zu einer gelungenen Zusammenarbeit von Musikern, Sängern und Tänzern. Christa Platzer hat als „Chansonette“ glänzende, gefühlvolle Auftritte, ebenso als Jenny im „Mahagonny-Songspiel“, wo ihre und Alfia Kamalovas Stimmen sich ideal verbinden. Der Chor singt präzise und agiert aufmerksam und gespannt. Clemens Jüngling dirigiert eine mit Feuer und Witz musizierende Neue Philharmonie Westfalen.“
Es ist mutig,mit einer völlig unbekannten Oper eine neue Spielzeit zu eröffnen. Aber eine Meisterleistung ist es, mit ihr einen so einhelligen Jubel zu erzielen, wie ihn das Musiktheater am Samstag erlebte. Überschäumend feierte das Premierenpublikum Roland Schwabs Inszenierung von Isaac Albéniz „Merlin“.
Mit beißender Ironie durchtränkt Intendant Michael Schulz seine mit reichlich Beifall gefeierte Inszenierung … Eine grandiose Leistung gelingt dem Chor in dieser Choroper. Baumann arbeitet mit der Neuen Philharmonie feinste Nuancen, knifflige Rückungen und chromatische Spannung reizvoll heraus.