Petra Schmidt-5fcbf8
Premiere
Weitere Termine
  • Die Kluge: Oper von Carl Orff | nach einem Märchen der Brüder Grimm | Reduzierte Fassung von Wilfried Hiller und Paul Leonhard Schäffer (2019) | Erwartung: Monodram in einem Akt op. 17 | von Arnold Schönberg | Dichtung von Marie Pappenheim
  • Geschichte

    „Oh, hätt’ ich ihr geglaubt!“, ruft der verzweifelte Bauer immer wieder aus. Er ist unschuldig in Kerkerhaft geraten, denn er hat nicht auf den Rat seiner Tochter gehört. Die mit ungewöhnlichem Scharfsinn begabte junge Frau, die Kluge, löst im Handumdrehen die Rätsel, mit denen sie der König auf die Probe stellt. So bringt sie es bis zur Königin und behauptet sich in einer reinen Männerwelt durch Witz und Verstand.

    Eine ganz andere Welt eröffnet sich in Arnold Schönbergs „Erwartung“. Eine Frau sucht im nächtlichen Dunkel des Waldes nach ihrem Geliebten. Plötzlich stößt sie auf seine Leiche. Unklar bleibt, ob sie selbst ihn ermordet hat, aus Eifersucht. Ihr innerer Monolog legt es zumindest nahe. Doch klar ist: Sie hat ihn unendlich geliebt. Marie Pappenheim schrieb für den Komponisten Arnold Schönberg ein Monodrama, das in seiner Zerissenheit und Leidenschaftlichkeit als Paradebeispiel für den literarischen Expressionismus gelten kann.

    Schönberg spürt in seiner Vertonung für eine Frauenstimme den feinsten Verästelungen und Windungen des Textes nach und analysiert aufs Genaueste intimste Seelenregungen. Seine Musik steht damit im entschiedenen Gegensatz zur archaisch anmutenden Rhythmik Carl Orffs und dessen bewusst schlichter Melodik, die die Volkstümlichkeit der Märchenvorlage der Brüder Grimm aufgreift. Im Zentrum beider Stücke, die in der Inszenierung von Michael Schulz zu einem spannungsreichen Musiktheaterabend verknüpft werden, steht eine ungewöhnliche, starke Frauenfigur. Beide verbindet mehr miteinander, als es auf den ersten Blick scheinen mag.

    Carl Orff und Arnold Schönberg – zwei Komponisten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, zwei Lebenswege, die exemplarisch für das 20. Jahrhundert stehen. Der eine feiert in dunkelster Zeit in Deutschland Erfolge, der andere emigriert in die USA und wird zum musikalischen Erneuerer. Wie realistisch die Utopie der Liebe sein kann, hat wohl niemand überzeugender in Töne gegossen als Wolfgang Amadeus Mozart. Musik von ihm setzt einen hoffnungsvollen Konterpart dieses kontrastreichen Abends.


  • Mitwirkende